Über 6 Jahre lang gestaltete ich mit befreundeten Mitgliedern des
"Vereins zur Zusammenarbeit mit der 3. Welt" eine
Wanderausstellung mit Schnitzkunst des Makonde-Volkes. Ziel war
es, die ursprüngliche Phantasie und die künstlerischen Ausdrucksformen
dieses Volkes bekannt zu machen und zu fördern, um für diese Kunst
einen Markt zu schaffen, der den zunehmenden Airport-art-Schnitzereien
von Elefanten; Frauen und Kriegern als Massenware entgegen zu wirken.
Die schönste Ausstellung fand im Rosenheimer Lockschuppen statt, wo
wir durch Kooperation mit den Benediktiner Orden Makonde-Schnitzer als
Gäste bei uns hatten, die mit unglaublich einfachen Hauwerkzeug das
extrem harte Ebenholz filigran bearbeiteten.
Mit Geistern ("Shetanis") leben
Der Ahnenkult hat bei den Makonde eine äußerst hohe Bedeutung.
Nicht bei der Beerdigung eines auch nur entfernten Bekannten dabei zu
sein, bedeutet in Ungnade bei dessen Geist zu fallen. Und die Geister
leben quicklebendig unter den Makonde und werden von ihnen auch gesehen
und sehr phantasievoll geschnitzt. Die großen Augen sind ein Zeichen
für gute Geister, auch wenn sie sonst sehr furchterregend aussehen.
Diese an sich wertvollsten Schnitzereien sind leider am schlechtesten zu
verkaufen, da sie mit europäischen Schönheits- und Kitschvorstellungen
nicht gerade übereinstimmen.
Hier gibt es noch am meisten Exemplare der mittlerweile aufgelösten
Wanderausstellung. Ich beabsichtige alle Shetanis bei einer Geisterausstellung
zu zeigen, sobald ich die nötige Zeit dazu habe. Wenn Sie Interesse
haben, geben Sie mir bitte Bescheid.
Lebensbäume sind die begehrtesten und bekanntesten
Schnitzereien. Es wird das Zusammenwirken der Gemeinschaft dargestellt
und die Menschen sind sehr filigran miteinander verbunden, oft ist das
Innere des Lebensbaums in langwieriger Arbeit
mit einfachsten Werkzeugen herausgehauen, so dass der Lebensbaum wie
ein Netzwerk wirkt. Die Lebensbäume sind zwischen 30 cm und 2,50 Meter
groß.
Alltags- und Tierdarstellungen sind die realistischsten
Schnitzereien. Es werden einzelne Tiere, Jagdszenen, Hochzeitspaare,
Behandlung von Krankheiten etc. dargestellt. Ein besonders bedrückenden
Einblick in die Vergangenheit geben geschnitzte Sklavenschiffe mit
angeketteten Wamakonde und Kindern, die fliehend in den durch Strömung
und Tiere lebensgefährlichen Fluß springen, um zu fliehen.
Christliche Darstellungen nehmen durch den Einfluss der
Missionare immer mehr an Bedeutung zu. Die Krippen- und Abendmahlszenen,
die verschiedenen Kreuzweg-Stationen und Christusdarstellungen sind zwar
oft sehr schön geschnitzt, aber mit wenigen Ausnahmen merkt man
deutlich, dass es sich nicht um einen gewachsenen Glauben handelt.
Zu verkaufen habe ich eine aus Speckstein geschnitzte, große Krippe
aus einem Stück.
Probleme...
Viele wertvolle Schitzereien wurden auf dem Transport zerstört
(obwohl sie in "Pampers" eingepackt waren – eine
amerikanische Entwicklungshilfe, mit der die Makonde in der Funktion als
Windel nicht viel anfangen konnten). Ein Teil wurde auch vom Zoll beim
Öffnen der Container beschädigt.
Zu Verkaufen waren zu Höchstpreisen "Airport-art" , die
wir aber nur als Kontrast in die Ausstellung aufgenommen haben. Die
besonders phantasievollen Shetani konnten praktisch nicht verkauft
werden, da wir nicht bereit waren, sie unter dem Materialpreis des
Ebenholzes abzugeben. Heute finde ich bei Händlern und Ausstellungen
auch kaum mehr ursprüngliche Geisterdarstellungen.
Mittlerweile gibt es ein Exportverbot für Ebenholz, das aber
offensichtlich nicht sehr streng gehandhabt wird. Auch wir konnten uns
in jahrelanger Auseinandersetzung kein klares Bild über die Bedrohung
des Ebenholzes machen. Die Benediktiner sagten uns, es handle sich schon
immer um einzelne Bäume im Busch, die extrem langsam wachsen und wenn
sie groß sind, gefällt werden. "Es dauert dann halt wieder, bis
die nächsten heranwachsen..." Ein Aussterben sei ihrer Meinung
nicht zu befürchten.
Auch wenn wir die Makonde als Volk mit dieser Ausstellung
unterstützen konnten, ist es uns nicht gelungen, einen Kunst-Markt für
die Shetani zu schaffen. Da das Ebenholz auch immer knapper wurde (was
durch Zunahme von Stein-Schnitzereien deutlich wurde) und wir keine
Sicherheit über die Unbedenklichkeit von Ebenholzimporten bekamen,
lösten wir die Wanderausstellung nach mehreren Jahren auf.
Kaufmöglichkeiten
In den Eine-Welt-Läden in Brannenburg und Rosenheim sind noch
Exemplare dieser Ausstellung zu kaufen. Dem Missio-Laden in München
haben wir einen weiteren Teil der Ausstellung übergeben. Shetanis sind
über mich zu erhalten.
Bei Interesse stelle ich die Shetanis auch gerne für Ausstellungen
zur Verfügung.