Zeit - Seminare
Eine kurze Hinführung zu den Zeit-Seminaren, "Alles
hat seine Zeit" und "Nichts Besseres zu tun",
sowie ein Verweis auf die Zeit-Qualität im Seminar "Ein
Zauber liegt in allen Dingen", die ich jährlich
anbiete. (Siehe auch: Bildung/Seminare u. /ÖKO-SYS)
1 - Alles hat seine Zeit...
©
Uli Lorenz, 1999
Wie gelingt es, die Arbeitszeit so zu gestalten, dass mehr Zeit
"übrig" bleibt? Mehr Zeit für Pausen zum Durchatmen,
mehr Zeit für Gespräche und Beobachtung, mehr Zeit zum Denken und
Reflektieren, mehr Zeit, die bewusst erlebt wird und nicht nur davon
rennt, dahinschwindet oder vertrieben wird. "Alles hat seine
Zeit..." lautet der Seminartitel eines Bausteins der
Systemisch-Ökologischen Kompetenz (ÖKO-SYS).
Die Zeit, die es zu gewinnen gilt, soll keinesfalls wieder
vergeudet werden durch "mehr desselben", wie Paul
Watzlawick das Prinzip des Festhaltens an Lösungsversuchen nennt,
die schon bisher nicht besonders erfolgreich waren. Der
Kommunikationswissenschaftler bewertet dieses Prinzip als "das
erfolgreichste und wirkungsvollste Katastrophenrezept, das sich auf
unserem Planeten im Laufe der Jahrmillionen herausgebildet
hat". Wir wollen durch unser Zeitseminar vielmehr die Qualität
der Arbeit steigern und gleichzeitig die Zufriedenheit und
Ausgeglichenheit stärken. Dahin führt nur der Weg, durch
Zeiteinteilungs-Techniken (das sogenannte
"Zeitmanagement") gewonnene Zeiträume als individuelle
"Zeitinseln" zu bewahren. Zeitinseln sind
unverplante Freiräume, in denen wir nicht auf bestimmte Ziele
fixiert sind. Hier kann sich in Muße unsere Wahrnehmung weiten und
Raum schaffen für Zufälle, Beobachtungen, Begegnungen und
Einsichten, neue Inspirationen und Visionen.
Da die Zeitinseln im Mittelpunkt unseres Konzeptes stehen,
veranstalten wir das Seminar bewusst auf einer Insel im Chiemsee, in
einem Kloster. Wer sich "reif für die Insel" fühlt, ist
also bestens bei uns aufgehoben. Die Einheiten werden von
ungewöhnlichen Zeitmessgeräten bemessen und der Rhythmus von
Natur, Mensch und Gruppe bestimmt zunehmend die Tage.
Für viele ist es kaum vorstellbar, dass in diesen Tagen ohne die
Diktatur der Uhrzeit effektiv gelernt und "ganz
nebenbei" die "Ur-Zeit" und der eigene
Rhythmus erlebt wird, so dass trotz eines gefüllten Pensums fast
schon Urlaubsstimmung aufkommt, und natürlich genug Zeit bleibt,
sich zurückzuziehen und zu besinnen, sich auszutauschen und kennen
zu lernen.
Es gilt aber auch "Zeitfresser" zu erkennen und
die Zeit sorgsam und gut zu planen, ohne sie zu verplanen.
Erkenntnisse, dass 80% des Erfolges mit relativ geringem Zeitaufwand
zu erzielen sind, und jede weitere Steigerung einen sehr hohen
Zeitaufwand bedeutet, der durch Perfektionismus jede Effektivität
zum Kippen bringt, verdeutlichen die Bedeutung einer sorgfältigen
Zielsetzung.
Erfolgreiches Zeitmanagement ist keine Zauberei, sondern hängt
in erster Linie von der Bewusstmachung von Werten und Zielen
und einem dementsprechenden konsequenten Verhalten ab. Disziplin ist
die hierfür notwendige Fertigkeit.
Rhythmus ist das Entwicklungsprinzip der Natur. Rhythmus ist
die Erneuerung des Ähnlichen, ein Lebenssignal, dass eine große
Spielraumbreite für Entwicklungen ermöglicht, - im Gegensatz zum
Takt, der Wiederholung des Gleichen, der im Laufe der Zeit zum
Kollaps führt. Viel natürlicher und somit auch menschlicher sind
Rhythmen, die eine Übergangszeit und einen
Spielraum
ermöglichen, und ein Abschließen und Beenden, ein Abschiednehmen
zulassen. Auch das ist Zeit: Abschied und Neubeginn, Vollendung und
Wiederkehr.
Stehen lassen, Abbrechen, Beschleunigen und Herausreißen
hingegen sind schmerzende Zeitkrankheiten.
Wirklich gelebte Zeit ist nur der Augenblick. Hier sind
eine Fülle von Wahrnehmungen, Weichenstellungen, Begegnungen und
Handlungen möglich. Zukunft und Vergangenheit sind konstruierte und
rekonstruierte Zeiten. Kinder leben sehr intensiv in der Gegenwart
und können hierbei sehr tief in Situationen "eintauchen",
sich verlieren, Eins werden. Versunken in Zeit und Raum können wir
das Leben tief wahrnehmen, genießen, uns im Einklang mit der
Mit-Welt spüren und in Achtung voneinander lernen.
Nur wenn ich in der eigenen Mitte bin, im Rhythmus mit mir und
meiner Umwelt, mir meine Ziele und meine Wurzeln bewusst mache,
entsteht die innere Freiheit für den Überblick: für Nuancen und
Entwicklungschancen, für Zeitinseln, in denen ich mich in den
Augenblick einer echten Begegnung vertiefen kann. Qualität
braucht Muße! Und Muße entsteht in Zeitinseln, die ich durch
bewusste Zeitplanung gewinnen und bewahren kann.
Auszug aus dem Artikel "Qualität braucht
Muße",
veröffentlicht im Buch "Die qualifizierte
Leiterin", Don Bosco Verlag, 1998
2 - Nichts besseres zu tun ...
©
Uli Lorenz, 1997
unter diesem Titel findet ein ÖKO-SYS Seminar statt, dass sich
mit Selbstorganisation und Zeitbewusstsein beschäftigt und
die Kräfte der Zeit spürbar macht, und bei dem bewusst das "Lassen"
als wichtiges Entwicklungselement im Mittelpunkt steht.
Wir haben uns als Ort für dieses Seminar ein einfaches Haus an
einem Bergsee ausgesucht, in dem sich die umgebende Welt
wunderschön spiegelt. Auch der Inhalt des Seminar spiegelt die
alltäglichen Routinen wider und verdeutlicht mit Hilfe der Chaostheorie,
dass unser Verhalten stark von selbst entwickelten Mustern geprägt
und festgelegt ist. Diese Selbstähnlichkeit und Selbsterneuerung
ist auch in der uns umgebenden Natur gut zu erkennen, sobald der
Blick hierfür gewonnen wurde. Der Seminar-Schwerpunkt liegt nicht
in der Zeitplanung, sondern darin, den Zeit-Raum als
pädagogische Qualität zu erleben.
Mit der bewussten Wahrnehmung und Gestaltung der Gegenwart wird
unser Verhaltensspielraum und unsere Wahrnehmungs- und
Ausdrucksfähigkeit erheblich erweitert. Die Selbstorganisation
bekommt Raum und hilft unserer Entfaltung und Weiterentwicklung.
Der Rhythmus ist die Urkraft von Beziehungen. Mit der Erfindung
der Uhr gelingt es uns zwar, die Zeit besser zu planen, aber
gleichzeitig verplanen wir unser Leben und haben immer weniger Zeit
für eine tiefe Begegnung mit den Mitmenschen. "Zeit ist
das, was uns voneinander trennt! Gibt es nichts Trennendes, gibt es
auch keine Zeit". (Günter Funke). Diese Aussage ist
leicht zu überprüfen: Wie oft schauen Sie auf die Uhr bei einem
uninteressanten Vortrag, und wie oft bei einem Zusammentreffen mit
einer guten Freundin? Verliebte Menschen telefonieren manchmal
Stunden und bemerken es erst an der Telefonrechnung, die wiederum
exakt den Zeit-Takt berechnet.
Sicher kennt jeder Situationen tiefer Begegnung, in denen man die
Zeit vergessen hat. In dem Seminar "Nichts besseres zu
tun..." gibt es zwar eine Grundstruktur durch gemeinsame
Mahl-Zeiten, Projektangebote und Impulse, aber kein festes Programm
und keine vorgegebene Zeitstruktur. Dies ermöglicht
Individualität bei den Teilnehmerinnen und hilft den eigenen
Rhythmus zu spüren, die verschiedenen Rhythmen der Gruppe und der
Natur zu synchronisieren und Selbstorganisations-Kräfte und
Kreativität zu entfalten.
Die dabei entdeckten Lebensthemen, Fähigkeiten und Erfahrungen
ermöglichen spannende, überraschende und interessante Aktionen,
sowie tiefe Begegnungen, bei denen die (Uhr-) Zeit sich verlangsamt
und manchmal auch ganz aus dem Bewusstsein verschwindet. Das sind
die Augenblicke bedeutender Erlebnisse, die als wichtiges Ereignis
in der Erinnerung haften bleiben und unserem Leben Geborgenheit in
einer komplexen Welt, Sinnerfahrung und eine Richtung geben.
Es ist ein schöner Erfolg, wenn diese Elemente die
Teilnehmerinnen weiter begleiten und ihnen Auftrieb für ihre
anspruchsvolle pädagogische Arbeit geben.
Entnommen aus dem Buch "Pädagogik in
Bewegung", Don Bosco Verlag, 1997
(Nicht mehr lieferbar)
Je öfter die Kinder die Zeit
im Kindergarten und Hort verlieren,
um so wertvoller wird diese Zeit
später in ihrer Erinnerung wirken.
(U.L)
3 - Ein Zauber liegt in allen
Dingen...
©
Uli Lorenz, 2000
Wir "zivilisierten Kulturmenschen" vergessen all zu
schnell, selbst ein Teil der Natur zu sein, daß wir ohne
Bekleidung auf die Welt gekommen sind, Luft und Wasser
unvergleichbar notwendiger für uns sind als Fernsehgeräte, Video
und Telefon, und unsere Ernährung weitgehend aus Pflanzen und
Tieren besteht, auch wenn man diese häufig nicht mehr in der Natur
sondern in Dosen "erntet". Die Natur schenkt uns Nahrung,
ein Spektrum an Farben und Formen, Gerüchen und Energien, die unser
Leben bereichern und uns zum Staunen und Genießen verleiten
können - wenn wir uns nicht davor verschließen, hinter den Mauern
unserer Wohnungen und Arbeitsplätzen, Schulen und
Kindertagesstätten.
Die Natur lädt uns ein zum Riechen, Hören und Schmecken, sie
lässt uns staunen und wundern und rührt an unsere Gefühle, wenn
wir Angst haben vor dem Gewitter, oder Freude über die
Sonnenstrahlen auf der Haut empfinden.
Naturerlebnisse fördern die Wahrnehmungsweitung, Sinneserfahrung
und Sinn-Erfahrung. Durch die Sinne können wir Sinn
finden. Die Natur ist ein Spiegel für die Seele. Der Wald, der See,
Blumen und Tiere werden bereits im Märchen als bedeutende Symbole
für die Bewusstwerdung und Beobachtung innerer Reifungsprozesse
gesehen.
Auch die Vergänglichkeit des Lebens und der Tod begegnet
uns in vielen Formen in der Natur. Rhythmus und Wandel werden als
natürliches Zeitmaß erlebt und als Grundlage des Lebens. Sie
wecken in uns die Hoffnung auf neues Leben nach dem Tag, nach dem
Winter und nach dem Tod. Gleichzeitig ist ein Gespür für Unendlichkeit
möglich, wenn wir den Nachthimmel, das Meer oder von einem
Berggipfel die Weite betrachten. Diese Erlebnisse lehren uns, dass
wir uns einerseits nicht allzu wichtig nehmen, und andererseits doch
einzigartig sind, und unser Körper ein Wunder der Natur ist.
In ÖKO-SYS Seminaren fasziniert mich immer wieder, wie
Teilnehmer die Natur für sich entdecken, Ehrfurcht im All-Eins-Sein
empfinden und gleichzeitig mehr Raum in sich öffnen können und
sich mehr Zeit lassen.
Freiheit bedeutet auch, die engen Grenzen von Kulturräumen
verlassen zu können und sich in die Weite der Natur einzulassen,
seine Identität als Teil der Schöpfung, die eigenen Wurzeln
und seine Mitte zu spüren.
Wir entwickeln seit Jahren Seminare zur Systemisch-ökologischen
Kompetenz, um ganzheitlich und erlebnisorientiert die Fülle
des Lebens zu entdecken und für die Entwicklung der
Persönlichkeit, des Gemeinwesens und der Schöpfung
verantwortungsvoll zu nützen
Identität ist die im Verlauf und Wandel der Zeit erlebte
Einzigartigkeit einer Person. Der Mensch ist ein lebendes System
in der Natur. Im Grunde erneuert der Mensch jeden Tag seine Sicht
der Welt und auch sich selbst. Nach sieben Jahren haben sich
biologisch die Zellen jedes Menschen völlig erneuert, ohne dass wir
dabei unser Wesen und unsere Identität verlieren.
Das Selbstbewusstsein, dass der menschlichen Identität zu
Grunde liegt, ist in der Evolution aus der Körper-Bewusstheit
entstanden. Die Menschenaffen als unsere Vorläufer haben über das
Klettern, dass für sie wesentlich anspruchsvoller und heikler zu
erlernen war als für kleine Tiere, das Selbst-Bewusstsein
entwickelt. Somit hat das Herumtollen und Klettern nicht nur
eine körperliche sondern auch eine psychische Auswirkung auf deren
Entwicklung.
Wenn Bewegungsstereotype nicht mehr ausreichen, entwickelt sich
Selbst-Bewusstsein als ein neuartiges psychologisches System, das
Freiheit, Flexibilität und Identität möglich macht.
Wenn wir also aus den wohltemperierten und gut ausgestatteten
Räumen herausgehen und uns auf die Natur einlassen, wird die
Entwicklung des Selbstbewusstseins und ihrer Identität geradezu
herausgelockt. Die Herausforderung steigt mit der Vielseitigkeit
der Umgebung, der Wechselhaftigkeit des Wetters und dem,
zugestandenen Freiraum.
Die Natur lehrt uns, dass Sinn und Identität nicht nur durch
Gedankenkonstruktion entsteht, und schon gar nicht durch kulturelle
Techniken, sondern durch einen individuellen Weg, der sich durch spielerischen
Umgang mit Herausforderungen, kleinen Abweichungen und
zufälligen Impulsen als "passend" erweist. Diese
Ausformung von Lebenstauglichkeit nennt man auch
"Viabilität".
Identitätsförderung in der Erziehung braucht insbesondere eine
gute Portion Gelassenheit und Vertrauen in die Schöpfung,
dass Kinder durchaus einen sehr sinnvollen, natürlichen und über
Jahrtausende bewährten Entwicklungsprozess durchleben. Erwachsene
sollten Kindern diesen natürlichen Zeitraum lassen und zugestehen
und sich auch selbst gönnen.
Auszug aus dem Buch "Naturerfahrung im
Kindergarten", Don Bosco Verlag, 2000
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